Freitag, 6. November 2015

Der Dunkle Turm 2: Drei - Stephen King

 Mach nicht den Fehler und schenke ihm dein Herz. Guter Rat. Du hast dir selbst geschadet, indem du freundschaftliche Gefühle für diejenigen gefasst hast, denen letztlich geschadet werden musste.
Bedenke deine Pflicht, Roland. 1

Weiter soll es nun auf unserer Reise zum Dunklen Turm gehen. Für mich bewegen wir uns noch auf vertrautem Gebiet, schließlich gehörte Drei (engl. The Drawing of the Three2) zu den beiden Romanen, die ich vor Jahren schon einmal las. Interessanterweise veränderte sich nichts an meiner Einstellung zum eigentlichen Inhalt des Romans, jedoch fiel mir dieses Mal stärker auf, was eben nicht da ist.

Roland erwacht nach dem langen Palaver mit dem Mann in Schwarz, wozu er anscheinend zehn Jahre gebraucht hat. Nachdem ich doch schon etwas weiter in der Reihe bin, wundert mich diese Zeile überhaupt nicht mehr. Es gehört zu einer der Eigenschaften von Mittwelt, eine fürchterlich komplexe Geographie und Zeit aufzuweisen. Insofern sind diese zehn Jahre Schlaf schon beinahe verständlich. Auf jeden Fall geht er am westlichen Strand entlang, denn der Walter, der Mann in Schwarz, hat ihm seinen folgenden Weg weis gesagt: Er wird drei neue Mitstreiter, ein Ka-tet, "ziehen". Mit diesen muss er sich auf die Reise zum Dunklen Turm machen.

Bevor er aber überhaupt zur ersten Tür gelangt, schockt King den Leser gewaltig. Roland trifft auf die  durchgängigen Antagonisten des Romans: die Monsterhummer. Das mag sich jetzt dämlich lesen, jedoch gelingt es King, uns die Furcht vor ihnen zu lehren - im Prolog des Romans. Normalerweise vertrauen Autoren es sogenannten "Red-Shirts" an, diesen Effekt zu erreichen. Das Prinzip ist nicht nur auf "Star Trek" zu beschränken, es kommt allgemein immer dann zum Einsatz, wenn ein Autor eine Gefahr deutlich machen möchte, seinen Hauptfiguren aber gerne verschont, diesen sollen schließlich die Handlung an sich tragen. Stephen King wirft das ganze über Bord und lässt den ersten Hummer sogleich Roland zwei Finger seiner rechten Hand verspeisen (und ein wenig von seinem Fuß). Damit muss der Revolvermann die gesamte Länge des Romans fertig werden, erhält auch am Ende kein Deus ex machina, bleibt bis auf weiteres in dieser Hinsicht eingeschränkt. Zu allem Übel schein der Hummer mit einem Gift ausgestattet zu sein, das Roland schwer krank werden lässt.

Diese Art der Konsequenz zieht sich - bisher - durch die ganze Reihe und lässt den Leser spüren, dass er nicht einfach nur einer Reise beiwohnt, diese hingegen eine klare Auswirkung auf die Charaktere hat. Also hat er mich innerhalb von zehn Seiten schon gewonnen, Glücklicherweise gibt auch der Rest diese Qualität her - meistens zumindest.

So erreicht Roland, schwer angeschlagen, die erste Tür mit der Aufschrift "Der Gefangene". Dahinter verbirgt sich der Kopf von Eddie Dean. Das mag sich seltsam lesen, ist aber völlig korrekt. Wieder einmal applaudiere ich der Kreativität von Stephen King. So absurd das im ersten Moment klingt, schafft er es doch, eine überraschend intelligente Geschichte daraus zu stricken. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Roland dem Betrachter von Eddies Sinnen und ihm als Handelnden, sollte er "nach vorne" kommen. Er kann Eddies Gedanken als Enzyklopädie verwenden, ihn mit Gesprächen beeinflussen, etc. In dieser Hinsicht ist der Roman überraschend gut ausgearbeitet und es macht schlicht Spaß, Roland dabei zu beobachten wie er mit dieser, für ihn ebenfalls neuen Situation umgeht.

Auf dieser Ebene habe ich keinerlei Beanstandungen, wobei hierbei auch der flotte Erzählstil sein Übriges tut. Hält man nun inne und reflektiert über das Gelesene ein wenig, kommt man leider nicht umhin, das ein oder andere festzustellen. Zuerst der Titel: Der Gefangene. Hintergrund soll sein, Eddie sei ein Gefangener des Heroins. Bis auf wenige Momente wirkt sich das aber wenig bis gar nicht auf seinen Charakter aus. Vielmehr scheint es darum zu gehen, ihm irgendeinen Hintergrund zu geben, in den Roland einsteigen kann. Nur wenige Entzugserscheinungen nach diesem kleinen Abenteuer deuten aber auf seine "Gefangenschaft" des Heroins hin.

Weiterhin widerstreben mir in diesem Teil der Geschichte zwei verschiedene Aspekte, die sich gegenüberstehen. Einerseits der eigentliche Verlauf der Handlung, die schon viel früher hätte beendet werden können - ohne Zoll, ohne Polizei, ohne Schießerei. Andererseits der geniale Gebrauch dieser letztlich "nutzlosen" Taten für die Charakterisierung Eddies und Zementierung der Beziehung zwischen Eddie und Roland. So ist es zwar für die Figuren, wie der Autor sie zeichnet, notwendig, den Tod Eddies wahrzunehmen, um den letzten Schritt deutlich zu machen und Eddie durch die anrückende Polizei keinen Ausweg zu lassen, die Handlung braucht aber ab dem Moment, da Roland sowohl Medizin als auch Essen besitzt, nicht mehr fortlaufen.

Das wird nochmals im nächsten Teil, "Die Herrin der Schatten", klar. Ohne großes Federlesen verlässt Roland unsere Welt wieder, sodass der folgende Plot mehr in Mittwelt stattfindet. Dabei handelt es sich hierbei um eine kohärentere Geschichte, die ganz schlicht ein Problem behandelt: Wie kommen wir zur nächsten Tür? Odetta/Detta braucht keinen großen Hintergrund im Sinne eines Plots, in den Roland eingreift, ist sie doch mit ihrer gespaltenen Persönlichkeit Plot genug. Lediglich die Auflösung enttäuscht ein wenig, da hier mehr Gedanken dahinter stecken, als wir zu Gesicht bekommen.

Im dritten Teil um Jack Mort wird das Tempo nochmals deutlich erhöht. Der Revolvermann entschließt sich - nicht ohne Konsequenzen (in tot.) -, Jake zu retten. Dann benutzt er Morts Körper, um einerseits Munition und andererseits Arzneimittel zu ergattern. Die Spannung wird hier unerträglich, das aber im Guten Sinne und Roland hat auch gute Gründe, so lange in unserer Welt zu verweilen. Leider zielt das Ganze auf die Vereinigung von Odetta und Detta zu Susannah ab, welche mich, wie gesagt, wenig überzeugte, sodass dieser starke Teil an einem etwas seltsamen Punkt enden muss. So scheint King selbst verwirrt zu sein, schließlich bezeichnet er Susannah als die dritte "gezogene" Person, obwohl jedem Leser diese Lesart wie Quatsch vorkommen muss, da alleine Odetta und Detta, wenn man denn nun so zählen möchte, zwei Plätze eingenommen hätten. Der nächste Band beweist das dann auch, wodurch King seine eigene Beschreibung etwas ad absurdum führt.

Beim ersten Lesen liebte ich diesen Roman für seine schnelle Erzählung und einfangende Atmosphäre. Beim zweiten Mal, mit der Hilfe der Reflexion, fällt mir zunehmend auf, dass Stephen King eigentlich fast alle Fehler aus "Schwarz" wiederholt. Wir haben immer noch keine Ahnung, wie die Welt Rolands aufgebaut ist, der Turm ist wie Rolands Heroin, allerdings bleibt er gestaltlos. Nicht einmal eine epische Geschichte ist ihm dieses Mal gelungen. Trotzdem würde ich Drei empfehlen, denn er schafft, was in "Schwarz" noch unausgegoren war: Der Autor erzählt eine gute Geschichte. Zwar sind mir viele kleine Schrammen aufgefallen, letzten Endes ist die Erzählung aber gut genug, dass man über diese hinwegsehen kann, lediglich die Nachbereitung deckt sie auf. Mit guter Hoffnung kann man nach vorne blicken, denn wir sind dem Turm wieder ein Stück näher gekommen.

1Stephen King, Drei S. 119
2Mal ernsthaft: Was ist mit diesen Übersetzungen los? Wenigstens sind wir dieses Mal nahe dran, beim ersten Band (Schwarz = The Gunslinger?) war das schon grenzwertiger. Der Höhepunkt folgt natürlich noch.


Mittwoch, 4. November 2015

Harry Potter und der Stein der Weisen - J.K. Rowling

Harry, du bist ein Zauberer.1
 Jetzt ist es schon fast zwei Jahrzehnte her, dass "Harry Potter und der Stein der Weisen", Teil 1 dieser bekannten und erfolgreichen Reihe, auf dem Buchmarkt erschien. Letztlich handelt es sich beim gigantischen Erfolg dieser Bücher um ein Phänomen, welches nie zur Gänze erklärt werden kann. Jeder Versuch einer Erklärung ist notwendigerweise eine Simplifikation. Sicherlich gehörte ein gewisses Timing zum Erfolg der Bücher, jedoch wäre es höchst zweifelhaft, nur daran ihre Beliebtheit auszumachen. Bücher sind nicht einfach nur irgendeine Ware, deren Gewinn sich zur richtigen Zeit erwirtschaften lässt, dahinter steht stets eine etwas größere Vision, welche im diesen Fall abertausende Leser fesseln und begeistern konnte. Deswegen will und kann ich in dieser Hinsicht gar nichts anbieten. Allerdings ist es mir möglich, meine eigenen Erfahrungen mit diesen Werken zu vermitteln, vor allem nachdem ich erst vor Kurzem die gesamte Hörbuchedition spottbillig erstehen konnte - zumindest im Vergleich zum Preis der damaligen CD-Version.

"Harry Potter" ist die Geschichte des gleichnamigen, völlig normalen Jungen, der an seinem elften Geburtstag einerseits erfährt, er sei ein Zauberer, und andererseits eine absolute Berühmtheit in der Zaubererwelt darstelle, denn er habe den bösen Zauberer Lord Voldemort zu Fall gebracht - wobei sich keiner so genau erklären kann, wie er das zustande gebracht hat.

Die Autorin erwähnt gerne, sie habe die Reihe so angelegt, dass der Leser zusammen mit den Figuren wachse. Nachdem ich die Bücher zum x-ten Mal wieder einmal gehört habe, ist mir dabei etwas interessantes aufgefallen. Stilistisch ist diese Aussage völlig korrekt. Die Art und Weise, wie Konflikte und Themen angegangen werden, war definitiv einem Reifungsprozess unterworfen. Jedoch ist es faszinierend, dass die grundlegenden Themen - Umgang mit Tod und Macht - bereits im ersten Band mit voller Wirksamkeit entfaltet werden. Schon im Umgang mit dem Stein der Weisen scheiden sich die Geister an diesen Themen, wird die Linie zwischen Gut und Böse dadurch gezogen: Während Quirrell, angeleitet von Lord Voldemort, die Welt in "Macht und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben"2, aufteilt, stellt Dumbledore als ideologischer Gegenpunkt die Liebe über alles3. Ebenso ist es Voldemort, der den Stein benutzen will, um "ewiges" Leben zu erlangen, während laut Dumbledore "der Tod für den gut vorbereiteten Geist nur das nächste Abenteuer ist"4. Dabei schafft es Rowling tiefstes Verlangen mit diesen beiden Aspekten in der Gestalt des Spiegels Nerhegeb5 zu verbinden, welcher dadurch zu einem meiner liebsten magischen Artefakte wurde, der sich zurecht neben dem Teufelsspiegel aus Andersens Die Schneekönigin stellen lassen kann.  Neben anderen Dingen scheint mir vor allem das der Kern zu sein, welcher eine faszinierende Reife der Bücher suggerierte.

Weiterhin schätze ich Rowling vor allem in stilistischer Hinsicht. Neben dem detaillierten Universum, welches sie aufbaut, scheinen gerade die Nebenfiguren immer mit erstaunlich viel Leben gefüllt zu sein. Andere Autoren scheitern schon daran, ihrer Hauptfigur eine Persönlichkeit zu geben, während Rowling es schafft, eine ganze Klasse vor den Augen des Lesers erstehen zu lassen. Das hängt für mich auch mit den präzise gewählten Namen zusammen, die schon beinahe in Tolkienscher Manier auf die Figur selbst schließen lassen. So stört es auch nicht, wenn die Autorin viele Aspekte ihrer erdachten Welt aus anderen Werken und vor allem der klassischen Mythologie entnommen hat, da ihre Welt auf einer ganz anderen Ebene, der menschlichen, definitiv lebendig wirkt.

Wer Fehler finden will, findet sie leider auch am ehesten in diesem Band. Typischerweise für den Beginn einer Reihe, krankt Stein der Weisen an den Fehlern einer Einleitungsgeschichte. Mehr noch als in allen anderen Bücher muss vieles eingeführt werden, damit die Geschichte später wirklich losgehen kann; einiges davon bearbeitet dazu auch noch die Muggelwelt, also die nicht-magische, wodurch noch mehr der Eindruck einer gewissen Langatmigkeit entstehen kann. Der Stil ist noch etwas naiver, sodass Langleser schnell die ein oder andere Diskrepanz entdecken.6 Letzten Endes soll das aber keineswegs von der Qualität und den starken Aspekten des Romans ablenken und keinerlei Problem macht das Buch wirklich kaputt.

Höchstens eines könnte ich nennen, welches mir schon als sehr junger Leser beziehungsweise Hörer missfallen ist. Harry, Hermine, Draco und Neville erhalten eine Strafarbeit, die darin besteht, mit Hagrid den Verbotenen Wald nach einem verletzten Einhorn abzusuchen. Sie finden es und dazu noch eine Gestalt, die das Blut des Tierwesens trinkt. Nachdem der Zentaur Firenze Harry vor der Gestalt rettet, möchte er ihm die Implikationen klar machen. Wer ein so reines Tier wie das Einhorn tötet und dessen Blut trinkt, wird am Leben bleiben, führt jedoch fortan ein verfluchtes Leben. Weder hier noch im weiteren Verlauf der Reihe, obwohl selbst einige abwegigere Fragen beantwortet wurden7, erhalten wir eine Antwort, es wird nicht einmal mehr weiter erwähnt. Ich habe immer noch das Gefühl, dass ursprünglich etwas etabliert wurde, was Rowling verwerfen musste oder selbst verworfen hat, für den Leser bleibt leider nur noch diese Leerstelle.

So bleiben noch zwei weitere Medien zu besprechen. Die Hörbücher mit Rufus Beck sind mittlerweile legendär und man kommt nicht umhin, eigentlich sämtliche anderen Hörbücher auf dem Regal an diesem zu messen. Jede Figur erhält ihre eigene Stimme - das ist kein einfacher Werbespruch, der Verlag wurde davon dazu inspiriert, ein Quiz zu veranstalten: aus den verschiedenen Hörbüchern wurde Sätze genommen und man musste denen die entsprechenden Figuren zuordnen - und es war machbar. Wer also mehr als nur das monoton vorgelesene Hörbuch haben möchte, sondern ein Hörspiel ohne Effekte, der ist mit Rufus Beck gut beraten, den man, ich spreche aus Erfahrung, auch ganze zehn Stunden am Stück hören kann.

Kommen wir zur Verfilmung mit Chris Columbus als Regisseur. Auch hier mag man inhaltlich sagen, was man möchte. Insgesamt ergibt sich für mich ein stimmiges Bild mit einem beachtlichen Schauspielensemble und einem unbestreitbaren Charme, der es sogar schafft, irgendwie diese Naivität passend auf die Leinwand zu bringen. Die Atmosphäre war in den ersten vier Teilen noch unverkennbar und verrät nicht zuletzt durch die Musik und die Sets stets einen Potter-Film.

Alles in allem darf man sich also ruhigem Gewissens dem ersten Band der Harry Potter - Reihe nähern. Ein starker emotionaler und tiefsinniger Kern ist hierbei von einer fein ausgearbeiteten Welt umgeben, sodass eigentlich jeder Leser auf seine Kosten kommen sollte.



1J.K. Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen S.58
2ebd., S.316
3ebd., S.324
4ebd., S.323
5Ich habe übrigens verboten lange gebraucht, um auf die Herkunft dieses Namens zu kommen.
6Mein Liebling wird wohl die Szene sein, in der Snape Harry einen - einen! - Punkt abzieht, und es als riesiges Problem gesehen wird. In späteren Romanen wäre Harry froh sein, würde es sich nur um einen Punkt handeln. Das ist aber auch eher eine Situation zum Schmunzeln.
7Zum Beispiel: "Warum ist der Blutige Baron so blutig?", eine Frage, deren Beantwortung ich nicht für möglich gehalten hätte.

Montag, 2. November 2015

Kurzkritik: Lebenslust: Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult - Manfred Lütz

Passenderweise ist vor Kurzem ein weiteres Buch dieses Autors erschienen (Wie Sie unvermeidlich glücklich werden), sodass ich aus gegebenen Anlass über das erste reden kann, das ich damals las. Schon lange Zeit wollte ich mir Lebenslust nochmals zu Gemüte führen, ergriff dann die Möglichkeit mit einem billigen Antiquariatsexemplar.

Wer Manfred Lütz liest, wird grundsätzlich auf drei verschiedene Seiten treffen: Den Theologen (z.B. Gott - Eine kleine Geschichte des Größten), den Arzt (z.B. Das Leben kann so leicht sein) und den Psychotherapeuten (z.B. Irre! - Wir behandeln die Falschen). Dabei darf diese Abgrenzung aber nicht allzu streng gesehen werden, immer wieder fließen Aspekte des einen in die anderen Bereiche. Dies merkt man stärksten bei Bluff! - Die Fälschung der Welt, welches als eine Art Synthesen aus seinen ihm eigenen drei Seiten gesehen werden kann.

Hier handelt es sich definitiv um den Arzt, der schreibt, obwohl sich der Theologe auch einschleicht. Für Lütz steht die moderne Sicht der Gesundheit, die Verklärung zum höchsten aller Güter, am Pranger. Dabei geht er in bester Dürrenmattscher Manier vor und lullt den Leser zuerst mit unglaublich lustiger Polemik und Satire ein, damit er auf die ernsten Konsequenzen für Leib und Leben, Ethik und Moral darstellen kann.

Inhaltlich würde ich im Nachgang diesem seiner Werke den Vorzug vor allen anderen geben, zeigt es doch den stärksten Inhalt. Höchstens Gott - Eine kleine Geschichte des Größten kommt noch im Entferntesten dran, allerdings fehlt selbst diesem die persönliche Note, denn es ist zwar eine tolle Darstellung von Argumenten, doch in Lebenslust werden die Konsequenzen für jeden Einzelnen, wie es beispielsweise in den besten Romanen der Fall ist, auf unbeschreibliche Weise klar vor Augen geführt.

Für mich hat das Buch aber noch eine andere Relevanz. Wenn ich daran denke, wie mir mein Katholizismus beigebracht wurde, ließe er sich am besten im Sinne der neuen Übersetzung von C.S. Lewis' Mere Christianity beschreiben: "Pardon, ich bin katholisch"1 Man mag seinen Glauben haben, grundsätzlich hat der aber nichts Positives und eigentlich muss man sich kontinuierlich dafür entschuldigen und rechtfertigen. Manfred Lütz hat mir eine andere Möglichkeit gezeigt, den eigenen Glauben zu sehen, eben mit einem gewissen Stolz. Dieser Stolz ist dabei weit entfernt von Überheblichkeit, bezieht sich viel eher auf eine Tradition der Weisheit, die nicht das Resultat einer einzelnen Person ist, sondern unter Mitwirkung der gesamten Kirche entstanden ist. Vor ca. drei Jahren war das für mich der erste Schritt, meinen Glauben auf diese Weise anzunehmen.

Allein dafür erhält dieses Buch einen speziellen Platz in meinem Herzen. Letztendlich handelt es sich aber auch um eine schonungslose Abrechnung mit dem Gesundheitswesen, oder zumindest dessen neue Manifestation.


1Anstelle der geschickteren und passenderen Übersetzung, schließlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Lewis sich für seinen Glauben entschuldigt hätte, von Christentum schlechthin heißt es modernerweise Pardon, ich bin Christ.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Johannes Paul II.

Heute ist der Gedenktag dieses großen Papstes. Gedenken wir ihm im Gebet.

Czas ucieka, wieczność czeka (Zeit flieht, Ewigkeit wartet)

Totus tuus. (Ganz dein)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Der Dunkle Turm 1: Schwarz - Stephen King

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.

"Der Dunkle Turm" ist eine Romansaga von Stephen King, die mittlerweile acht Bände umfasst. Als grundsätzliche Inspiration nennt King Robert Brownings erzählendes Gedicht "Childe Roland to the Dark Tower Came", wobei etliche Einflüsse aus den Bereichen Western, Fantasy, Horror und Science-Fiction zu erwähnen wären. Der Autor beschreibt es einmal als den Versuch, das beispielsweise durch Clint Eastwood popularisierte Westerngenre mit einer romantischen Fantasywelt zu vereinen.

Bereits vor mittlerweile drei Jahren, einem kleinen Höhepunkt meiner King-Euphorie, welche mittlerweile abgekühlt ist, wagte ich mich an die Sage um den Dunklen Turm. Allerdings kam ich praktisch nie über den zweiten Band hinaus: Meine städtische Bibliothek führte nicht den dritten Teil der Reihe im Sortiment. So ruhte dieses Vorhaben, bis ich vor einiger Zeit die gesamte Sage billig auf ebay fand. Damit soll es mir nun möglich sein, Stück für Stück diese Reihe zu erfahren, ab dem dritten Band wird es für mich ohnehin eine neue Erfahrung sein. Nach dieser kleinen Einleitung beginnen wir mit Schwarz, im Original The Gunslinger.

Roland. Roland Deschain. Das ist der Name unseres "Helden". Ohne großes Federlesen werden wir mit dem oben angeführten Zitat in die Handlung hineingeworfen. Eigentlich muss man auch nicht viel mehr wissen. Freilich, ein wenig mehr steckt schon dahinter, aber damit ist schon das größte Manko des Werkes umrissen: Seine Gestaltslosigkeit. Wir wissen von Anfang an, dass Roland auf der Suche nach dem Dunklen Turm ist. Jedoch werden wir nicht aufgeklärt, was denn dieser Turm eigentlich sei. Unseren ersten Einblick erhalten wir am Ende von Schwarz, wirklich konkrete Anhaltspunkte gibt es erst im Verlauf der Handlung in "tot.". Man mag argumentieren, damit sei das Mysterium um dieses Zentrum gewahrt, was selbstredend stimmt, aber eine gute Handlung zeichnet sich dadurch aus, dass eben solche Dinge etwas konkret sind.

Dabei wäre es sogar gar nicht mal so dramatisch, wenn der Turm weiterhin im Dunkeln bleibt, gälte das nicht auch für die Motive unseres Protagonisten. Warum will Roland den Turm überhaupt finden? Die Beantwortung dieser Frage steht noch in den Sternen, würde aber der Motivation des Lesers bestimmt helfen.

Ähnlich sehe ich auch Rolands Vergangenheit. Immer wieder gibt es kurze Rückblicke, wobei nie ein vollständiges Bild entsteht, lediglich Fragmente blitzen auf, welche zwar besser als irgendein anderer Teil der Handlung zur Charakterisierung Rolands dienen, letztendlich aber unzufriedenstellend bleiben. Dabei könnten diese Einblicke in die Vergangenheit ungemein helfen, ein anderes Manko zu revidieren: die aufgebaute Welt. Hier trifft der Vorwurf der Gestaltlosigkeit am härtesten. Man kann sich schlicht keine wirkliche Vorstellung dieser Welt, "die sich weitergedreht hat", machen. Ist es eine Parallelwelt? Lediglich die Zukunft der unsrigen? Selbst zwei Bände weiter steht man etwas fraglos vor diesen Fragen. So wirken Elemente wie das offensichtlich vertretene Christentum völlig befremdlich, scheinen sie doch gar nicht in diese Welt passen zu wollen.

Vor drei fasste ich diese Gedanken ungefähr so zusammen: Stephen King versucht mit aller Macht eine epische Geschichte zu erzählen - es gelingt ihm einfach nicht. Sein Protagonist Roland bleibt zu blass, zu sehr am Vorbild Clint Eastwood kleben. Seine Welt will keine Gestalt annehmen,  genauso wenig wie seine Handlung.

Ein wenig Auflockerung bringt Jake. Faszinierend finde ich das nur deswegen, weil alles Gute dieses Charakters erst in zukünftigen Bänden realisiert wird. Hier wächst er dem Leser weder als Charakter ans Herz noch scheint sein Erscheinen von großer Bedeutung zu sein, schließlich redet Roland auch von Magie in seiner Welt. Beide Aspekte werden zwar später revidiert, dabei ist aber ironischerweise immer ein Bezug auf diesen Roman vorhanden, sodass sich die Figuren auf eine emotionale Bindung an dieser Stelle beziehen, obwohl dem Leser nichts davon aufgefallen ist. Dies wird nicht die einzige Reihe sein, in dem Folgeromane auf eine Begebenheit Bezug nehmen und diese konsequent weiterdenken, diese jedoch selbst für die Leser alles andere als berauschend war.

Einziger wirklicher Lichtpunkt ist dabei das Ende - völlig untypisch für einen King. An dieser Stelle trifft Roland den Mann in Schwarz, den er konkret die letzten 200 Seiten verfolgt hat, da er einen Schritt auf dem Weg zum Dunklen Turm darstellt. Das darauf folgende Gespräch zwischen den beiden ist hypnotisierend geschrieben und gibt den endlich den ein oder anderen Blick auf die Mythologie des Dunklen Turms. Im Nachhinein betrachtet ist dieser Blick nebulös und vage, frustrierend ist auch das Argument, das Universum sei zu groß, damit sich Gott für uns interessiere. Trotz allem ist man nach dem enttäuschenden Roman ganz froh, dieses "Palaver" zu lesen. Lustigerweise schneidet sich King hier mit seiner Gestaltlosigkeit selbst ins Fleisch. Am Ende stellt sich nämlich heraus, Walter sei der Mann der Schwarz, worauf Roland schockiert reagiert. Wer ist Walter? Ein Mann aus Rolands Vergangenheit. Schockiert uns diese Enthüllung? Nicht wirklich, schließlich haben wir kaum einen Bezug zum fernen Roland, wie sollte uns dann schon Walter etwas angehen.

Alles in allem bleibt Schwarz hinter den Erwartungen zurück und ist letztendlich nur ein mediokrer Roman. Doch lässt sich fragen, ob er seine Rolle nicht allein dann erfüllte, wenn er mich zum Lesen des nächsten Bandes animierte. Zwar konnte ich schon damals wenig mit diesem Werk anfangen, hielt es für unvollständig, aber dennoch las ich weiter. Auch dieses wollte ich mehr erfahren, obwohl ich kein Qualitätswerk vor mir hatte. Vielleicht war das ja der ureigene Sinn von Schwarz. Sei es wies es sei, wir sind dem Dunklen Turm auf jeden Fall einen Schritt näher gekommen.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Das Labyrinth der Träumende Bücher - Walter Moers

[Die letzten Wochen war es auf diesem Blog etwas ruhiger. Das ist der Tatsache geschuldet, dass ich in dieser Zeit unter der Woche berufsbedingt nicht zu Hause war, sodass sich alle meine Schreibtätigkeit auf das Wochenende konzentrieren musste. Das funktionierte die erste Woche noch, danach jedoch war es mir nicht mehr möglich, in der kurzen Zeit genug niederzuschreiben, damit der Blog gefüllt ist.]

Passenderweise sollte diese Rezension zum Erscheinen des Buches "Das Schloss der Träumenden Bücher", dem letzten Teil der Buchhaim-Trilogie verfasst werden, nachdem dieses jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde1, kann ich diese Idee getrost vergessen. Stattdessen gehe ich aber auf die Reaktionen ein, die dieser Roman hervorgerufen hat. Obwohl Moers sowohl vom Publikum als auch vom Feuilleton wohlwollend aufgenommen wird, kann man die Rezeption von "Das Labyrinth der Träumenden Bücher" nur als negativ ansehen, wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. Für mich stellt sich unweigerlich die Frage, ob dieser Roman wirklich so schlecht ist, oder doch die Verteidiger Recht haben.

Ich selbst besitze lediglich das Hörbuch, welches aus zwei MP3-CDs besteht. Das erwähne ich aus einem einzigen Grund: Solange ich nur die erste CD betrachte, fällt mir grundsätzlich, solange ich mich nicht auf die Gesamtkonzeption des Romans beziehe, kein negativer Aspekt ein. Hildegunst von Mythenmetz erhält, in klarer Anlehnung an den ersten Teil, einen Text, der absolut unterirdisch ist, dabei aber seinen eigenen Stil, der in den letzten Jahren aufgrund von Mythenmetz' Stolz und Überheblichkeit mit miserabel noch wohlwollend umschrieben ist, bis ins kleinste Detail kopiert. Letztlich bewegt ihn ein kurzer Satz am Ende dazu, den Autor des Texts, wie schon im ersten Teil, ausfindig zu machen: Der Schattenkönig ist zurückgekehrt.

Wie ich es auch drehe und wende, es bleibt dabei: Dieser Einstieg ist absolut stimmig gewählt. Bewusst bezieht er seine Inspiration aus dem Vorgänger, ohne ihn plump zu kopieren. Zuvor ging es darum, den besten Autor, den Mythenmetz je gelesen hat, zu finden. So konnte er dann selbst das Orm, wie in den Moersen Büchern die wahre Inspiration eines Autors genannt wird, finden. Jetzt muss er es jedoch neu entdecken, wiederfinden. Also wandelt sich seine Expedition in die Stadt der Träumenden Bücher in ein zunehmend persönliches Unterfangen, das mehr der Charakterbildung als allem anderen dient.

Selbst wenn Mythenmetz endlich in Buchhaim ankommt, bleibt dieses positive Gefühl aufrechterhalten. Freilich nimmt sich die Handlung etwas zurück und stellt sich hinter die Beschreibung der Stadt - das geschah auch so im Vorgänger (beispielsweise bei Mythenmetz' ersten Ankommen oder sein Besuch bei den Buchlingen). Es ist aber auch nur natürlich, über Buchhaim Neues zu erfahren, schließlich ist sie uns, zumindest gehe ich bei den Bücherliebhabern davon aus, ans Herz gewachsen und wir haben sie ca. 200 Jahre nicht gesehen. So ist der Leser durch die Beschreibungen des Brandes von Buchhaim am Ende des ersten Bandes von Ovidios ebenso fasziniert, wie Hildegunst vom Autor beschrieben wird. Vielleicht ist Moers im Kapitel "Bibliodies, Bibliodas" etwas zu verspielt, doch kann man hier weder von Langeweile noch von fehlender Kreativität sprechen. Sogar die Fremdenführer, die als einzige auch nur im Entferntesten an den Charme der Buchlinge herankommen, sind mit einer netten Idee bespickt, welches das Kapitel "Alles in Fraktur" im Nu vergehen lässt.

Das Treffen zwischen dem Eydet Hachmed Ben Kibitzer, der Schreckse Inea Anazazi und Mythenmetz war unausweislich und findet bei mir keine Beanstandung, weswegen ich darauf wenig Zeit verwenden möchte. Bis hierhin scheint also alles zu funktionieren und ein stimmiger, ja sogar guter Roman entstanden zu sein. Wo haperte es also?

Manche meinen, die Aufführung, und daraus folgende Zusammenfassung, der "Stadt der Träumendne Bücher" sei der Tiefpunkt. Obwohl ich die Argumentation verstehen kann, schließlich wird hierbei nicht die Handlung weiterbefördert2, trotzdem stimme ich ihr nicht zu. Für jemanden wie mich, der sich gerne mit Adaptionen befasst, sind die Kommentare von Moers zu diesem Thema, denn um nichts anderes handelt es sich, wenn Mythenmetz die Aufführung mit seinem Werk vergleicht, zu faszinierend, um sie so abzutun. Zugegebenermaßen hilft hierbei die Vertonung durch den kongenialen Andreas Fröhlich und ich gebe auch zu, dass die Szene etwas lang geht.

Zweifelsohne lässt sich der Fehlschlag des Werkes aber mit einem Wort zusammenfassen: Puppetismus, eine fortgeschrittene Variante des Puppentheaters. In der zweiten Hälfte des Buches befasst sich Mythenmetz obsessiv mit dieser Kunstform - und lässt die Handlung erstochen mit einem Dolch hinter sich. Es gibt keine Beschönigung dieser Tatsache: Es handelt sich um eine ermüdende Zusammenfassung einer erdachten Kunstrichtung, wobei, freilich, etliche Anspielungen auf reale Theaterströmungen verarbeitet wurden. Das war bei den Buchlingen nicht anders, diese waren aber darüber hinaus auch so liebevolle Geschöpfe. Wer die literarischen - oder soll ich sagen "intertextuellen"? - Referenzen versteht, hat einen Mehrwert. Wer sie aber nicht versteht, verliert in dem Sinne nichts. Beim Puppetismus ist das anders. Wenn ich die Referenz nicht verstehe, bleibe ich auf der Strecke und lese eine trockene Beschreibung. Selbst wenn ich sie verstehe, bleibt es für mich auf der faktischen Ebene des Erkennens einer Anspielung. Beispielsweise habe ich erkannt, dass der schrecksimistischer Puppetismus eine Anspielung auf "Warten für Godot" darstellt, wirklich Freude habe ich daran nicht gewonnen. Es fehlt die den Buchlingen innewohnende Zelebration des Themas.

Das Ende gehört nicht nur zu den gewagtesten Cliffhangern überhaupt, es stellt auch eine klare Ohrfeige für den Leser dar. Wenn die letzten Worte lauten "Hier fängt die Geschichte an" kommt einem unweigerlich die Frage: Was sollte das eigentlich?

Zuerst dachte ich, es handle sich soweit um ein postmodernes Werk, dass hier dem Leser ein Werk eines Autors in einer Schreibkrise vorgelegt wird (hierbei ist freilich zu beachten, dass dies zwingenderweise keinen Kritikpunkt entkräftigt, im Gegenteil diese voraussetzt). Das scheitert an zwei Punkten. Erstens ist der schreibende Mythenmetz nicht in einer Schreibkrise,  nur der beschriebene Mythenmetz. Das wird deutlich am Anfang ersichtlich, wo Hildegunst gekonnt und mit erstaunlicher Selbstkritik, die ihm laut Handlung an dieser Stelle noch nicht inne sein konnte, sein eigenes Schaffen gnadenlos kritisiert. Zweitens ist der erste Teil, wie beschrieben und voller Ironie, viel zu gut.

Andererseits könnte es auch das Manuskript des Vorgängers, welches auch eine Schreibkrise thematisiert, entfiktionalisieren wollen. Hier scheitert es daran, dass niemand dem Roman diese Qualitäten zuschreiben würde, mich da mit eingeschlossen. Zwar habe ich Lob gehört, dieses fokussierte sich aber weniger auf den inhärenten Qualitäten und vielmehr auf den postmodernen Spielereien, die man im Roman findet. Anders gesagt: Wäre das der Weg gewesen, bräuchte man keine Interpretation, um das Werk zu mögen, es wäre schlicht unwiderstehlich gut.

So bleiben die Leser mit einer Menge Fragezeichen zurück, die auch daraus resultieren, dass man die Intention des Autors nicht kennt, und somit nicht beurteilen kann, ob er "einfach so" gescheitert ist, oder ob das gewollt war (was natürlich immer noch berechtigterweise als Scheitern zu deklarieren ist). Auch glaube ich nicht, dass Moers, wie ich es andern Ortes gelesen habe3, jedes Mal bei einer negativen Kritik schmunzelt. Wie eingangs beschrieben, wird er sonst eigentlich von allen Seiten überwiegend positiv bewertet, wenn also eines seiner Bücher so abschmiert, kann die Schuld kaum sämtlich auf das Unverständnis des Lesers schieben. Vielleicht haben sie ja sehr gut verstanden und sind weitsichtiger als der Autor.

Letztendlich zerschellen für mich auch sämtliche Verteidigungen des Romans an den Worten des Autors selbst. Dieser bezeichnet "Das Labyrinth der Träumenden Bücher" als Ouvertüre, gibt damit offen zu, die eigentliche Geschichte folge erst. Jede Ansicht, die eine miserable Qualität des Romans postuliert, um dies als gewagte Intention darzustellen, darf getrost ignoriert werden, schließlich unterstützt das Werk diese nicht. So bleib folgendes Fazit: "Die Stadt der Träumenden Bücher" war eine Zelebration des Buches und die Kultur darum; was "Das Labyrinth der Träumenden Bücher" sein will, weiß ich nicht. Während der Vorgänger den Balanceakt zwischen Zelebration und Handlung, sodass die Geschichte immer zwar Ruhepausen erhielten, aber immer im richtigen Moment wieder ansetzte. Der Fortsetzung fehlt dieses artistische Gespür und ist hemmungslos in seiner Obsession mit erdachten Kunstformen



1Nachzulesen hier
2In meiner Zählweise ist seit einer CD nichts mehr passiert.
3http://romanfresser.de/das-labyrinth-der-traeumenden-buecher-walter-moers/

Freitag, 2. Oktober 2015

Jenseits von Pu und Böse

Ich weiß nicht, was dieses kleine Erlebnis über die Philosophie oder mich sagt. Letztes Jahr erwarb ich in einem Antiquariat das Buch "Jenseits von Pu und Böse" von John Tyermann Williams. Grundlegende Idee des Werkes ist, dass alle Philosophie eigentlich nur auf "Pu der Bär" hinausgelaufen sei. Dies belegt der Autor mit Darstellungen verschiedener philosophischer Strömungen und ihre Anwendung im Kontext dieses Werkes darzulegen.

Nun konnte ich, man möge es meiner Naivität zuschreiben, lange Zeit nicht sagen, ob diese These nun ernst gemeint war oder nicht. Der erste Teil befasst sich mit den griechischen Philosophen der Antike. Die Ausführungen scheinen, wenn schon nicht in dem Sinne, dass man Pu wirklich für den Höhepunkt der westlichen Philosophie hält, dann zumindest so weit ernst gemeint, die Themen anhand der Bücher zu erarbeiten. Bis dahin handelt es sich also um ein nettes Lesewerk, welches sowohl Philosophie nahe bringt als auch dem Bär der Literatur etwas Tiefe verleiht.

Dann folgen jedoch die Philosophen der Neuzeit (das Mittelalter wird bezeichnenderweise übersprungen). Ab diesem Punkt kann kein Zweifel mehr daran bestehen: Es handelt sich um einen Scherz. Zuvor waren es jedoch durchdachte Abhandlungen, die Philosophie beispielsweise eines Hume in "Pu der Bär" hineinzuzwängen wirkt bemüht und geradezu lächerlich.

Ich frage mich aber bis heute, ob  dieser Versuch am Autor oder an den darzustellenden Philosophen scheiterte.