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Donnerstag, 9. Juni 2016

"Hier irrt Llambi!"

In den letzten Wochen hat sich bei mir eine schon morbide anmutende Faszination entwickelt. Regelmäßig habe ich nicht nur die Sendung Let's Dance im Fernsehen verfolgt - an dieser Stelle übrigens Glückwunsch an die Gewinnerin Victoria! -, die einzige im TV, bei der ich das überhaupt mache, obwohl ich ja die polnische Ausgabe bevorzuge.1 Nach jeder Sendung musste ich dann auch einfach den Kommentar von Michael Hull in seiner Kolumne "Hier irrt Llambi!" bei der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).2 Nicht wirklich, weil ich jemals mit den Inhalten übereinstimmte, sondern einfach, weil ich wissen musste, was er denn so schreibt. Ob es besonders klug ist, kontinuierlich etwas zu lesen, von dem man weiß, dass man damit nicht übereinstimmen wird, kann jeder für sich selbst beantworten.

Dabei fängt es schon beim Titel an: "Hier irrt Llambi!" Dummerweise hat Let's Dance nun mal, für die, die es nicht wissen, drei Juroren. Neben Joachim Llambi sitzen da noch Jorge González und Motsi Mabuse. Also nur gegen einen davon vorzugehen, auch wenn dessen Position als herausstechend wahrgenommen wird, ergibt wenig Sinn. Die Beschwerde, ein Kandidat bekomme zu viele oder auch zu wenige Punkte, bezieht sich immer auf alle drei (mir fallen zumindest nur wenige Ausnahmen ein). Fairerweise muss ich dazu sagen, dass es möglich ist, dass der Name der Kolumne nicht von Herrn Hull gewählt worden ist.
Ganz allgemein kann diese Kolumne allein durch ihr Format frustrieren, da sie mehr als ganz kurzer Kommentar zu den einzelnen Tänzen anzusehen sind - wenn denn alle Tänze überhaupt angesprochen werden. So ergibt sich dann auch leider selten ein tieferer Einblick in die Charakteristik eines Tanzes, den ein Kandidat nun erfolgreich dargestellt hat oder nicht. Trotzdem ergaben sich einige interessante Bemerkungen.

So kommentiert er am 30.04.16 zum Beispiel die Bewertung für Ulli Potofski mit den Worten: "Llambis Quatsch wird immer 'quätscher'!". Allein sprachlich ist dieser Satz fürchterlich und sollte Schmerzensgeldansprüche berechtigen. Allerdings kann ich mir auch inhaltlich ein spöttisches Lächeln nicht unterdrücken. Was war der Kontext? Ulli Potofski "tanzte" in der siebten Sendung eine Samba, zeigte aber immer noch keine nennenswerten Verbesserungen, sodass selbst die gnädigen Juroren González und Mabuse gerade mal einen Punkt verliehen, obwohl sie ihm sonst zwei bis drei gaben. Nun hatte sich Ulli mit Herrn Llambi aber auf eines verständigt: Der MSV Duisburg3 habe sein letztes Spiel gewonnen, dafür solle er dann zwei Punkte verdienen, bei einem verhinderten Abstieg drei. Dem stimmte der harte Juror zu. So kam es zu der absurden Situation, in der Ulli den Tiefrekord von vier Punkte und die meisten dazu vom strengen Herrn Llambi erhielt. Also handelt es sich dabei gar nicht um ein falsches Verhältnis von Bewertung und Leistung, sondern um ein Einverständnis, das zu einem der besten Momente der gesamten Staffel geführt hat, in dem selbst Herr Llambi einmal den tosenden Applaus entgegennehmen konnte. So kann man es zumindest sehen. Humorlose Menschen kommentieren das mit einem grausigen "Wortspiel".

Das nächste fällt in die Kategorie des berühmten Glashauses, in dem man nicht mit Steinen werfen sollte. Die Einführung zur Kolumne (welche wiederum nicht von Hull geschrieben worden sein muss) liest sich in etwa so: "Bei „Let‘s Dance 2016“ punktet Juror Llambi mit Pointen. Aber liegt er wirklich immer richtig?" Aus meiner Sicht sollte man es bei solch einer Einleitung vermeiden, selbst versuchen mit Pointen zu punkten. Genau das versucht er aber am 07.05.16 (zumindest hoffe ich inständig auf eine Pointe, denn ernst gemeint hat er das hoffentlich nicht). Hier wirft er Julius Brink vor, zu hoch bewertet worden zu sein, denn eigentlich sei seine Leistung noch unter der Ulli Potofski anzusiedeln. Als Kontext sei gesagt, dass Ulli für seinen Rock'n'Roll genau drei Punkte bekam und Julius als Premiere einen Lindy Hop tanzte, bei dem selbst seine Profitanzpartnerin Ekaterina Leonova ein wenig überfragt gewesen zu sein schien. Vergleichbar waren diese Tänze überhaupt nicht, denn Ulli hat in dieser Sendung meist neben angesessen und Vadim Gabuzov, einem weiteren Profitänzer, die meiste Arbeit machen lassen. Als guter Spruch kommt das nichtsdestoweniger bestimmt gut.

Am 23.04.16 kommentiert Michael Hull Llambis Verhalten am Jurorenpult, da er sich mit Frau Mabuse auf eine Auseinandersetzung eingelassen hat, was auch davor und danach hin und wieder mal passierte. Übrigens unterschlägt Michael Hull völlig, dass die Diskussion von Frau Mabuse ausging. So nimmt er sie in Schutz, da sie als mehrfache deutsche Meisterin ja wisse, was sie sage. Nun, denken wir das mal weiter. Folgendes kann Herr Llambi auf seinem Konto verbuchen:
Zu seiner aktiven Zeit war er der einzige, der in allen drei Sektionen (Standard, Latein, 10 Tänze) im Finale einer Deutschen Meisterschaft stand. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn ist er als Wertungsrichter im Profi- und Amateurverband tätig. Neben vielen nationalen Turnieren, wertet er Welt- und Europameisterschaften.4
Klingt fast so, als wisse auch er, wovon er da redet. Natürlich würde dieses Eingeständnis die gesamte Kolumne ad absurdum führen. Es ist einfach bezeichnend, wie blind man sein kann. Einer Person zu verbieten, andere zu kritisieren, jedoch mit einer Begründung, die verhindern sollte, das man die eben noch kritisierte Person selbst kritisieren darf.

Der letzte Punkt ist für mich einfach nur amüsant. Am 28.05.16 stellt Michael Hull die Frage, ob die Jury Jana Pallaske absichtlich Punkte wegnehme. Nebulös bezieht er sich auf seine eigene Zeit bei Let's Dance, trotzdem halte ich den Vorwurf für sehr gewagt. Ich frage mich aber, wie er überhaupt auf die Idee kommt, ich persönlich habe mich eher gefragt, warum sie so viele bekommt, aber das nur am Rande. In den zwei Wochen davor erhielt sie 57 und 58 von 60 möglichen Punkten und ihr Durchschnitt betrug auf die gesamte Staffel gesehen 27,33 von 30 Punkten pro Tanz. Viel mehr kann man eigentlich nicht geben! Vom Tatbestand kann der Vorwurf schon gar nicht greifen, aber die Begründung dafür ist noch besser. Angeblich solle damit der Zuschaue angespornt werden, für sie anzurufen. Das ist aber gehörig nach hinten losgegangen: Im Halbfinale musste sie bereits zittern und trotz der besseren Leistung landete sie im Finale noch hinter Sarah Lombardi auf Platz drei.

Neben der Sendung selbst war es also eine schöne Reise, diese Kolumne Woche für Woche zu lesen. Frustrierend war für mich immer nur die Kürze der Kommentare und teilweise auch die Auswahl der diskutierten Tänzer. Wenn ein Tänzer tatsächlich 30 Punkte erhalten hat, sollte man da nicht über sie reden? Aber gerade in den letzten Kolumnen fällt Victoria Swarovski irgendwie nicht auf. Dabei hat sie einige der besten Tänze der Staffel getanzt, beispielsweise ihren Tango, den Quickstep und vor allem ihr Paso Doble.


1Am Rande soll erwähnt sein, dass ich die letzte Staffel verpasst habe, da mir nicht bewusst war, dass die Polen pro Jahr zwei produzieren.
2Ich sollte auf eines hinweisen: Man kann leider nur fünf Artikel pro Monat betrachten.
3Dabei handelt es sich um Llambis Lieblingsmannschaft.
4http://www.workshopfestival.de/bremen/trainer/standardLatein.html

Montag, 14. März 2016

Ethik2go

Lang ist's her, dass ich zum letzten Mal - abgesehen von den Zitaten am Sonntag - auf diesem Blog etwas veröffentlichte. Im Grunde blieb es anderthalb Monate still auf diesem Blog, was natürlich nicht sein darf. Verschiedenstes hat mich abgehalten, aber jetzt möchte ich doch wieder regelmäßig schreiben. So folgt jetzt auch keine Rezension, wovon nicht wenige noch ausstehen, sondern ein Kommentar, der mir schon etwas länger auf den Fingernägeln brennt.

Ungefähr Ende Januar stieß ich das erste Mal auf eine neue Serie von katholisch.de mit dem Namen Ethik2go. Natürlich tut es mir Leid, dass mein erster Post nach langer Funkstille ein kritischer sein muss, aber ich kann es auch nicht ändern.1 Die grundsätzliche Idee ist dabei gar nicht einmal schlecht. In den kurzen Videos - zwei bis vier Minuten - werden ethische Fragen behandelt. Doch stellte ich mir gleich zu Beginn einige Fragen. Erstens: Warum wird ein Philosophieprofessor hinzugezogen und kein, wie es sich bei einer katholischen Internetseite schließlich anbieten würde, Moraltheologe? Das ist nicht zwingend ein Argument gegen die Qualität der Serie, ich habe mich lediglich über diesen Fakt gewundert.

Viel bedeutender scheint mir die hauptsächliche Schwäche der Idee zu sein: Es werden in ihr konkrete Fragen behandelt. Dem ein oder anderen mag das schlüssig erscheinen, jedoch ergeben sich daraus verschiedene Probleme. Um eine gute Ethik präsentieren zu können, benötige ich entsprechend gute Grundlagen. Erst dann kann man zu nachvollziehbaren und auch nützlichen Schlussfolgerungen gelangen. Daran krankt beispielsweise ja auch der Utilitarismus, da er zwar für einige Dilemmata Handlungsfäden anbietet, letztendlich aber keine begründende Grundlage dafür bietet. Gerade bei einem Philosophieprofessor ist man auch erst einmal versucht zu fragen: Welchem Philosophen folgen Sie? Ob diese Personen nun eher Kant oder Aristoteles in ihrer Ethik zitieren wirkt sich merklich auf ihre Argumentation aus.

So ergeben sich schnell zwei Schwächen des "to go"-Prinzips: Anstatt dem Zuschauer Prinzipien an die Hand zu geben, mit denen er sich selbst zu mannigfaltigen Themen Einstellungen bilden kann, macht man ihn davon abhängig, die teilweise recht ambivalenten Aussagen des Professors für bare Münze zu nehmen. Weiterhin werden komplexe Themen, wie zum Beispiel das der Organspende, in absurd kurzer Zeit abgearbeitet werden, sodass man maximal ein kurzen Einblick in ein Thema bekommt, worin man sich weiter einlesen müsste - konkrete Hilfe ist das dann aber widerrum nicht.

Damit entstehen dann auch Phrasen, die aus meiner Sicht nicht genügend begründet werden, oder auch Sätze, deren Inhalt, wie im aktuellen Beitrag zu Organspende, man eher mit einem Kopfschütteln begegnet. Auch erinnere ich mich an ein Video aus dem Januar - es kann sein, dass die Videos nur eine entsprechend kurze Zeit gespeichert werden, zumindest fand ich das entsprechende Video nicht mehr -, in dem er unterschiedliche philosophische Traditionen danach unterschied, ob sie ihre Ethik auf Vernunft oder Emotion basieren. Dies bleibt als abstrakte Aussage stehen, sodass dem Zuschauer nicht einmal die Möglichkeit gegeben wird, sich weiter über diese Richtungen zu informieren. Vielmehr ist mir dabei aufgefallen - ich sage direkt im Voraus, dass ich ein Laie in diesem Gebiet und dem Irrtum damit auch schnell ergeben bin -, dass in meiner Erfahrung eigentlich keine philosophische Tradition existiert, die tatsächlich die Vernunft für die Emotion aufgegeben hätte. Ich kenne diese Dichotomie zwar - von den verschiedenen Strömungen der (deutschen) Literatur: die Aufklärung betonte die Vernunft, der Sturm und Drang die Emotionen, die Klassik wieder die Vernunft, die Romantiker wieder die Emotionen (stark vereinfacht, wohl gemerkt). Wo sich das jetzt genau in der Philosophie wiederspiegelt, wäre mir schleierhaft.


1Anstatt ständig Entschuldigungen anzubieten, sollte ich wohl einfach mal zum  Text kommen, oder?

Dienstag, 26. Januar 2016

We are the world...

Auf der letzten Freizeit, bei der ich dabei war, sangen wir unter anderem das Lied "We are the world". Bei einer Zeile musste ich etwas stutzen:
As God has shown us / by turning stone to bread...
 Ich mag da ja was falsch verstanden haben, aber die entsprechende Bibelstelle sieht folgendermaßen aus:

3Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass diese Steine Brot werden. 4Er antwortete: Es steht geschrieben: Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.
Matt 4,3-4

Man mache daraus, was man wolle.

Samstag, 16. Januar 2016

Unbefleckte Empfängnis

In letzter Zeit habe ich häufiger gelesen, wie der Begriff der Unbefleckten Empfängnis falsch verwendet wird. Da ich gern habe, wenn man zumindest Begriffe richtig gebraucht, möchte ich meinen Teil zu einer Definition tun und mir nicht vorwerfen lassen, diesen Fehler so stehen gelassen zu haben. Erstens, die Unbefleckte Empfängnis hat nichts mit der Jungfrauengeburt zu tun. Geburt hat schließlich nichts mit Befleckung zu tun.
Worauf bezieht sich das also? Maria, so die Lehre der Kirche,  ist ohne Erbsünde empfangen worden, deswegen spricht sie der Engel als "voll der Gnade" (Lk 1,28) an.
Der Katechismus spricht darüber in den Nr. 490ff.
Warum so viele Leute diesen Fehler begehen, ist mir schleierhaft, denn sogar Wikipedia gibt das akkurat wieder.

Freitag, 8. Januar 2016

Star Wars Monopoly

Man möchte meinen, in der großen weiten Welt gäbe es wichtigere Probleme. Für manch einen Star Wars - Fan  sieht das anders aus, sodass man sich selbst noch Probleme anschaffen muss. Zum Beispiel: Rey, die Hauptfigur des neuen Star Wars - Filmes gespielt von Daisy Ridley, taucht nicht als Spielfigur in der neuen Star Wars-Variante des altbekannten Spieleklassikers "Monopoly" auf. Der Vorwurf des Sexismus ist heute ja im Allgemeinen schnell ausgesprochen, so ließ man auch hier nicht lange auf sich warten. Wer jedoch ein wenig den Kontext betrachtet, kann darüber nur den Kopf schütteln.

Ich selbst besitze das Spiel nicht, muss also meine Beobachtungen auf die Amazon-Seite beschränken. Doch schon diese verrät mir zwei Dinge: Erstens, Monopoly wird nun durch die Einführung von zwei Seiten, der hellen und der dunklen Seite, bereichert. Zweitens wird die eine Seite durch Luke Skywalker und Finn und die andere durch Darth Vader und Kylo Ren dargestellt. Offensichtlich bezieht man sich also auf die unterschiedlichen Anhänger von Jedi und Sith. Wer den Film gesehen hat, fragt sich, warum nicht Rey diese Rolle einnimmt. Die Lösung findet sich im Veröffentlichungsdatum: Dieses war der 3. September des vergangenen Jahres, also Monate vor dem Film. Interessanterweise sollte es sehr bewusst so angelegt werden, dass Finn als der neue Jedi scheine. Sowohl das Poster als auch die Trailer zeigen nur Finn mit einem Lichtschwert. Wenn ich ein wenig spekulieren darf, durfte man wahrscheinlich diese kleine Tatsache nicht spoilern - tatsächlich hat sie mich beim Film dann auch überrascht.

Und, wer hätte es gedacht, die Macher des Spiels antworteten mit genau der Begründung, die ich mir alleine durch Spekulation erschlossen habe. Fairerweise wird diese Antwort im Artikel auch wiedergegeben.

Was mich aber wirklich frustriert, sind die Kritiker. Wie häufig sich schon Leute über diese Tatsache ohne Reflexion echauffierten, nur um im nächsten Satz zu sagen, man halte ohnehin nichts von Monopoly1. Bei manchen klingt es gar, als hinge die Erlösung der Welt von der Abschaffung Monopolys ab.

Sexismus - genauer: Misogynie - ist eine schlechte Sache, sicherlich. Genauso aber auch das Unterstellen von unlauteren Motiven. Dabei handelt es sich um etwas, was heutzutage selten bis gar nicht angeprangert wird, obwohl es, aus meiner Erfahrung fast flächendeckend vorhanden ist und schädlich ohne End wirken kann.

1Ich selbst halte nicht allzu viel von Monopoly, das hängt aber mehr mit meiner Tendenz zusammen, bei diesem Spiel abgezogen zu werden.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

"Dann denkst du nicht nach..."

I need not mention the hundred obvious objections to this crude division; [...] or that it is arguing in a circle to prove at the end that religion is inconsistent with science merely by assuming at the beginning that it is inconsistent with truth.1
Diese Stelle zu lesen hat mich an ein Erlebnis meinerseits erinnert. Es begab sich vor beinahe drei Jahren, als ich im Matheleistungskurs saß, und einem meiner Mitschüler mein Halskette auffiel. Nun sollte man wissen, dass ich seit meiner Firmung eine Halskette mit einem irischen Kreuz trage, wobei ich damals normalerweiser sorgsam darauf achtete, es unter dem Kragen meines T-Shirts verschwinden zu lassen. Das sollte sich einige Monate später ändern, das tut hier aber nichts zur Sache.
Auf jeden Fall bemerkte er es und stellte mir unvermittelt die Frage, ob ich an Gott glaube, was ich bejahte.
"Hm. Ich habe dich eigentlich für intelligenter gehalten."
Auf meine Frage, was er damit genau meine, antwortete er:
"Wer an Gott glaubt, braucht keine Wissenschaft, da er ja für alles Gott hat."
Nun halte ich meine Überzeugungskraft heute noch für alles andere als überragend, man mag sich also rechnen, wie desolat es um diese Fähigkeit vor mehreren Jahren stand. Meine Versuche, Gegenargumente zu bringen, waren wohl dementsprechend dürftig. Trotzdem versuchte ich irgendwie klar zu machen, dass Gott zum Beispiel auch das Prinzip ist, das die Rationalität der Welt garantiert. Dies wurde kategorisch abgelehnt, denn kritisches Nachdenken sei nicht mit Gott vereinbar. Prinzipiell. Wieder und wieder versuchte ich, zumindest ansatzweise verständlich zu machen, dass Gott eben kein Lückenbüßer sei, doch diese Erklärungen drangen überhaupt nicht durch. So blieb mir nur noch das Ende des Gespräches im Gedächtnis:
Ich: "Man fragt sich, wer dabei unkritisch ist."
Er: "Offensichtlich du."


1G.K.Chesterton, in Collected Writings Volume III, p. 378

Dienstag, 29. Dezember 2015

Pardon, ich bin Christ

Manchmal kann ich neue Titel überhaupt nicht ausstehen. "Sinn und Sinnlichkeit" von Jane Austen wird bei mir diesen Namen behalten, obwohl auf meiner Ausgabe "Verstand und Gefühl" steht. Ich halte "Schuld und Sühne" für einen charaktervolleren Titel als "Verbrechen und Strafe", obschon dies eine genauere Übersetzung des Originals darstellt, wodurch sich diese Änderung wohltuend von manch anderer abhebt.

Akzeptanz kann ich aber kaum für ein Buch aufbringen, dessen Titel unbeschreiblich gut zum Inhalt passt. Die Rede ist von "Mere Christianity" von C.S.Lewis. Für gewöhnlich habe ich den Titel mit "Christentum schlechthin" übersetzt gesehen, was die Intention des Autors, der die allgemeinen, alle Konfessionen des Christentums vereinenden Gedanken darstellen wollte. Wie heißt die neueste Übersetzung? "Pardon, ich bin Christ". Nicht nur die Aussage des alten Titels wird kaschiert, Herrn Lewis werden auch Worte in den Mund gelegt, die er nie ausgesprochen hätte, denn für ihn gäbe es schlicht keinen Grund, sich für seinen Glauben zu entschuldigen. Dass es sich dabei um eine Anpassung an den Zeitgeist handelt, demzufolge man nichts Konkretes mehr meinen könne, ohne gleich darauf aufmerksam zu machen, man könne es auch anders sehen, ist dabei der letzte Streich.

Sonntag, 8. November 2015

Let's Dance

In den letzten Wochen ist es bei mir zur Gewohnheit geworden, um 20.00 Uhr jeden Freitag die polnische Ausgabe von Dancing with the Stars anzusehen. Dabei sind mir einige Gründe eingefallen, warum ich diese Sendung, deren Finale nächste Woche ausgestrahlt wird, viel lieber sehe als das deutsche Pendant.

Man kann es drehen, wie man will, aber nichts ändert sich daran, dass Let's Dance immer noch von RTL produziert wird, wodurch sich entsprechende Makel einschleichen. Zum Beispiel ist es unerträglich, wie die Sendung jede Woche aufs Neue künstlich in die Länge gezogen wird. So muss man immer bis 23.00 Uhr warten, damit man die Auflösung präsentiert bekommt. Gerade das Bestimmen des ausscheidenden Paares ist einfach lächerlich. Stattdessen bringt die polnische Variante die Sache angemessen innerhalb von zwei Stunden über die Bühne. Die Momente des Wählens sind kurz und schmerzlos.
Weiterhin sind die Kandidaten deutlich sympatischer. Meistens schafft es Let's Dance akzeptable Kandidaten zu finden, hin und wieder trifft man aber auf die eine Person, welche keine Kritik annimmt und letztlich die Atmosphäre der Sendung vergiftet. Soweit ich das beurteilen kann, umgeht die polnische Variante das irgendwie vollständig.
Selbst die Juroren sind schlicht und ergreifend besser. Alleine die unkomplizierte Punktevergabe, die in Polen relativ schnell und ohne Drumherum erfolgt, während in Deutschland eine Stimme aus dem Off noch groß den Namen des Jurors ankündigt, wartet, bis die Lichter auf ihn oder sie gerichtet sind und dann um die Punktzahl bittet, lässt diesen Eindruck entstehen. Aber auch die Kommentare sind geistreicher. Bei Let's Dance wartet man für gewöhnlich auf Joachim Llambi, damit überhaupt ein gehaltvoller Kommentar zustande kommt. Jorge Gonzales und Motsi Mabuse sind zumeist nur als Dekoration in der Jury, wobei ich gleich dazusage, dass ich mich an eine Sendung in diesem Jahr erinnere, in der die beiden teilweise bessere Kommentare abgegeben haben als Herr Llambi. Solche Abgrenzungen muss ich bei Dancing with the Stars gar nicht machen, denn alle vier haben etwas für gewöhnlich etwas sinniges zu sagen und können das auch vernünftig kund tun.

Nimmt man all das zusammen entsteht der Eindruck einer professioneller produzierten Sendung mit einer insgesamt besseren Atmosphäre. Über die Qualität der Tänze konnte man sich dieses Jahr bei Let's Dance glücklicherweise nicht beschweren, festzuhalten ist aber, dass man definitiv die Präsentation der Sendung noch verbessern kann.

Freitag, 2. Oktober 2015

Jenseits von Pu und Böse

Ich weiß nicht, was dieses kleine Erlebnis über die Philosophie oder mich sagt. Letztes Jahr erwarb ich in einem Antiquariat das Buch "Jenseits von Pu und Böse" von John Tyermann Williams. Grundlegende Idee des Werkes ist, dass alle Philosophie eigentlich nur auf "Pu der Bär" hinausgelaufen sei. Dies belegt der Autor mit Darstellungen verschiedener philosophischer Strömungen und ihre Anwendung im Kontext dieses Werkes darzulegen.

Nun konnte ich, man möge es meiner Naivität zuschreiben, lange Zeit nicht sagen, ob diese These nun ernst gemeint war oder nicht. Der erste Teil befasst sich mit den griechischen Philosophen der Antike. Die Ausführungen scheinen, wenn schon nicht in dem Sinne, dass man Pu wirklich für den Höhepunkt der westlichen Philosophie hält, dann zumindest so weit ernst gemeint, die Themen anhand der Bücher zu erarbeiten. Bis dahin handelt es sich also um ein nettes Lesewerk, welches sowohl Philosophie nahe bringt als auch dem Bär der Literatur etwas Tiefe verleiht.

Dann folgen jedoch die Philosophen der Neuzeit (das Mittelalter wird bezeichnenderweise übersprungen). Ab diesem Punkt kann kein Zweifel mehr daran bestehen: Es handelt sich um einen Scherz. Zuvor waren es jedoch durchdachte Abhandlungen, die Philosophie beispielsweise eines Hume in "Pu der Bär" hineinzuzwängen wirkt bemüht und geradezu lächerlich.

Ich frage mich aber bis heute, ob  dieser Versuch am Autor oder an den darzustellenden Philosophen scheiterte.

Samstag, 26. September 2015

Carmen

Als ich letztens auf Digital Theatre schaute, ob sie auch Carmen im Repertoire haben, musste ich mit etwas Amusement an die Pressereaktionen im letzten Jahr auf die Carmen-Premiere in Münster denken. Sowohl die Autoren der Westfälischen Nachrichten als auch der Münsterschen Zeitung1 sprachen Verwirrung darüber aus, dass Sara Rossi Daldoss, die die Rolle der Micaëla spielt, mehr Applaus erhielt als die die Hauptrolle der Carmen spielende Tara Venditti. Es wurde spekuliert, es handle sich um einen Fehler in der Inszenierung ihrer Sterbeszene, der das zu verantworten habe. Ich versuche einen Lösungsvorschlag anzubieten.

Erstens handelt es sich bei Sara Rossi Daldoss um eine absolut bezaubernde Sängerin, welche einer eigentlich kleinen Rolle unglaublich viel Leben einhaucht. Diesen Fakt sollte man immer im Hinterkopf behalten, da er zeigt, dass das Publikum sehr klar Talent erkennt.
Zweitens, und viel wichtiger aus meiner Sicht, handelt es sich bei Carmen keinesfalls um eine sympathische Figur - ganz anders als Micaëla. Grundsätzlich behandelt diese französische Oper zwei Beziehungsdreiecke. Das erste umfasst Carmen und ihre beiden Männer, Don José und Escamillo. Das zweite stellt den Soldaten Don José zwischen die Zigeunerin Carmen und seine Jugendfreundin Micaëla.

Sowohl Inszenierung als auch die von mir gelesenen Kommentare legen den Fokus auf das erste Beziehungsdreieck und sehen hier das Konfliktpotenzial. Der moralisch gefestigte Betrachter sieht das mit etwas Skepsis. Auf der Suche nach "Liebe" wirft sie sich unter anderem diesen beiden Männern an den Hals, will bei allem aber auch ihre absolute Freiheit behalten. Wer Liebe als "Akt des Willens, das Gute für den Anderen zu wünschen" versteht, kann bei solch einer Konstellation nur den Kopf schütteln. So scheitert Carmen nicht am Gesellschaftskäfig, der für sie als Zigeunerin ohnehin nicht zutrifft, oder an den besitzergreifenden Männern2, sondern letztendlich an sich selbst und ihrer widersprüchlichen Ansicht.

Viel klassischer und berührender ist da schon das zweite Beziehungsdreieck. Don José ist in einem klassischen Dilemma gefangen: Entweder er entscheidet sich für die Verwegenheit und folgt der Leidenschaft (Carmen), oder er wählt die Sicherheit und, so denken es sich wohl viele Betrachter, das Glück (Micaëla). Hier sieht man eine Tragödie heranreifen und fiebert mit Micaëla mit, die essentiell um die Seele Don Josés kämpft. Man mische dazu das Talent von Sara Rossi Daldoss und die entsprechenden Klagearien werden zum Höhepunkt des Abends.

Aus dieser Sicht scheint es dann nicht mehr Carmen zu sein, die in eine tragische Situation gerät, sondern Don José; tatsächlich wird Carmen eher als Schuldige wahrgenommen. Erinnert man sich daran, scheint die hohe Sympathie für Micaëla nur allzu verständlich.

1 Ich würde gerne die Artikel verlinken, habe sie im Internet leider nicht mehr gefunden, sodass ich vollständig aus dem Gedächtnis schreiben muss.
2 Escamillo und Zuniga sehen tatsächlich in ihr nur ein Objekt der Wollust, allerdings ist es fraglich, ob Carmen darüber hinausgeht und es sollte auch beachtet werden, dass Don José nicht assertiv genug für Carmen ist.

Donnerstag, 24. September 2015

Star Wars on Trial

Wenn man älter wird, muss man mit Bedauern feststellen, dass vieles von dem, was in Jugendzeiten noch als brillante und präzise formulierte Werk wahrgenommen wurde, eigentlich größtenteils banale Aussagen ohne Tiefgang enthält. Dabei möchte ich nicht den Eindruck erwecken wollen, ihn fehle völlig die Qualität, aber die Perspektive verändert sich.
So auch mit "Star Wars on Trial".

Die Idee ist dabei eine gute, Science-Fiction-Autoren diskutieren darüber, ob der Einfluss der Star Wars - Reihe als positiv oder negativ für das Genre aufgenommen werden muss. Lange Zeit galt dieses Buch für mich als Referenz zum Thema Fantasy und Science Fiction, war sogar das Non plus ultra. Mittlerweile missfallen mir die naive Sicht von Geschichte1 , wie sie eigentlich alle Autoren aufweisen, und Religion, wobei diese eher Unwissen aufzeigt. Wenige Argumente weisen Kohärenz auf.

 Trotzdem möchte ich nicht verhehlen, dass mir Matthew Stover, Autor der Verteidigung, immer noch gefällt, einerseits da er die ganze Angelegenheit mit Humor nimmt und andererseits eine sympathische Argumentation2 aufbaut.

Den gesamten Inhalt zu kritisieren würde ein weiteres Durcharbeiten erfordern und lohnt der Sache eigentlich nicht. Ich musste mich schon davon abhalten, die Seiten mit Notizen über Notizen zu füllen, denn das hebe ich mir dann doch für die Großen Bücher auf. Allerdings ist ein Aspekt an Heuchelei überhaupt nicht zu überbieten. Einer der größten Vorwürfe gegenüber Star Wars ist, dass antidemokratische und elitäre Politik hier unterstützt wird, selbstverständlich durch die Jedi symbolisiert, deren Kraft auf Vererbung basiert. Ungern möchte ich auf diesen Punkt näher eingehen, man soll ihn nur im Kopf behalten. Jetzt komme ich darauf zurück, dass dieses Werk meine Sicht von Science Fiction für lange Zeit maßgeblich beeinflusst hat (dankbar bin ich zum Beispiel dafür, Isaac Asimov über dieses Buch gefunden zu haben). Das lässt aber offen: Wie unterscheidet David Brin, Autor der Anklage, Science Fiction und Fantasy?

Hier stürzt alles zusammen. Im Grunde wird alles für das Genre Science Fiction beschlagnahmt, was intelligent ist - oder als solches erkannt wird, sodass auch Tolkien sich nicht den verfehlten Angriffen von David Brin entziehen kann. Anders gesagt und zugespitzt: Science Fiction ist gute, Fantasy ist schlechte Literatur. Natürlich ist David Brin der Richter in diesen Sachen. Ich komme beim besten Willen nicht darum herum, darin etwas leicht elitäres zu sehen. Und Brin scheint auch kein Problem zu haben, diese Meinung öffentlich zu präsentieren.


1 Es handelt sich um das typische Klischee des dunklen Mittelalters und der alles verbessernden Renaissance und Aufklärung.
2 Völlig unzureichend verkürzt beharrt er darauf, dass es eben nicht die eine Möglichkeit gibt, diese Filme (und das Franchise) zu sehen, sondern mehrere. So ist die "Dunkle Seite", wie er die Anklage nennt, darauf angewiesen, den Leser von einer bestimmten Sichtweise zu überzeugen, während Stover lediglich auf die Anwesenheit von anderen Lesarten hinweisen muss.

Dienstag, 22. September 2015

Abbé Faria

In meiner Bibliothek in Rom besaß ich rund fünftausend Bände. Durch vieles Lesen und Wiederlesen habe ich herausgefunden, dass man mit hundertfünfzig gut gewählten Werken, wenn nicht den vollständigen Umfang der menschlichen Kenntnisse, so wenigstens all das hat, was ein Mensch wissen muss. Ich habe drei Jahre meines Lebens dem Lesen und Wiederlesen dieser hundertfünfzig Bühcer geweiht, so dass ich sie beinahe auswendig wusste, als ich verhaftet wurde. In meinem Gefängnis habe ich vermöge einer geringen Gedächtnisanstrengung mich völlig an sie erinnert. So könnte ich Ihnen Thukydides, Xenophon, Plutarch, Titus Livius, Tacitus, Straba, Jornandes, Dante, Montaigne, Shakespeare, Spinoza, Machiavelli und Bossuet rezitieren. Ich habe jetzt nur die wichtigsten aufgezählt.
Abbé Faria 

 Unweigerlich musste ich an dieser Stelle schmunzeln. Hat sich Mortimer J. Adler, wenn er von einer gebildeten Person redet, sich den Abbé Faria vorgestellt? Zumindest kommt es mir so vor, als seien die Konzepte nicht allzu weit von einander entfernt. In der Aufzählung kommen auf jeden Fall Autoren vor, die auch Adler sehr schätzte. Auf jeden wird der Abbé mir in Zukunft als Vorbild dienen, wenn ich wieder am Großen Leseprojekt arbeite (bei dem ich schändlich zurückhänge). Die Effekte beschreibt Dumas so, dass Farias Einfluss auf Edmond Dantès groß genug war, damit er seinem Vater das Leben, Faria aber seinen Verstand verdanke.

Die Ironie: Der Graf von Monte Christo mag ein Paradebeispiel des gebildeten Menschen im Sinne eine Mortimer J. Adler beinhalten, ist selbst meines Wissens aber nie auf die Liste der Großen Bücher gelangt.

Samstag, 5. September 2015

ARD und Menschenrechte

Die Realität kann sich niemals ändern ohne ein spirituelles Konzept des Individuums. Und dazu [...] muss man einen jeden Menschen zu der Erkenntnis seiner Würde führen. Viele von den toten Frauen wären noch am Leben, wenn man ihre Würde respektiert hätte.1

 Manchmal trifft man auf Texte, die man gerne nicht gesehen hätte: HIER

Ob es bei der Abtreibung zum Töten kommt? Unwichtig.
Die Abtreibung löst sämtliche Probleme? Sicherlich.

Ich stelle dem Text mal ein Zitat gegenüber:

"For man, the right to life is the fundamental right. And yet, a part of contemporary culture has wanted to deny that right, turning it into an 'uncomfortable' right, one that has to be defended. But there is no other right that so closely affects the very existence of the human person! The right to life means the right to be born and then continue to live until one's natural end: 'As long as I live, I have the right to life.'

The question of conceived and unborn children is a particularly delicate yet clear problem. The legalization of the termination of the pregnancy is none other than the authorization given to an adult, with the approval of an established law, to take the lives of children yet unborn and thus incapable of defending themselves.[...]

Often the question ist presented as a women's right to free choice regarding the life already existing inside her, that she carries in her womb: the woman should have the right to choose between giving life or taking it away from the unborn child. Anyone can see that the alternative here is only apparent. It is not possible to speak of the right to choose when a clear moral evil is involved, when what is at stake is the commandment Do not kill!

[...]

It is necessary to recognize that, in this context, we are witnessing true human  tragedies. Often the woman  is the victim of male selfishness, in the sense that the man, who has contributed to the conception of the new life, does not want to be burdened with it and leaves the responsibility to the woman, as if it were 'her fault' alone. So, precisely when the woman most needs the man's support, he proves to be a cynical egotist, capable of exploiting her affection or weakness, yet stubbornly resitant to any sense of responsibility for his own action. These are problems that are well known not only in confessionals, but also in courts throughout the world and, more and more these days, in courts that deal with minors.

Therefore, in rejecting 'pro choice' it is necessary to become courageously 'pro woman,' promoting a choice that is truly in favor of women. It is precisely the woman, in fact, who pays the highest price, not only for her motherhood, but even more for its destruction, for the suppression of the life of the child who has been conceived. The only hones stance, in these cases, is that of radical solidarity with the woman. It is not right to leave her alone. The experiences of many counseling centers show that the woman does not want to suppress the life of the child she carries within her. If she is supported in this attitude, and if at the same time she is freed from the intimidation of those around her, then she is even capable of heroism. As I have said, numerous counseling centers are witness tho this, as are, in a special way, houses for teenage mothers. It seems, therefore, that society is beginning to develop a more mature attitude in this regard, even if there are still many self-styled 'benefactors' who claim to 'help' women by liberating them from the prospect of motherhood."2

1 Karol Wojtyła im Film Karol - Papst und Mensch
2 Pope John Paul II, Crossing the Threshold of Hope, p. 204-207

Dienstag, 1. September 2015

Die Affen und Hamlet

Stellen Sie sich einen Affen vor. Und eine Schreibmaschine oder - die Zeiten ändern sich - eine Tastatur. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Affe sich hinter die Tastatur klemmt und ein literarisches Meisterwerk produziert [...]? Natürlich unendlich klein. [...] Gäbe es allerdings tatsächlich eine unendliche Anzahl von Affen [...], könnte man tatsächlich davon ausgehen, dass jedes Buch, ob nun Meisterwerk oder nicht, irgendwann einmal von einem Affen geschrieben werden würde. [...] Der springende Punkt ist natürlich die Unendlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Affe es schafft, beispielsweise Hamlet zu schreiben, ist vernachlässigbar gering. Genauer gesagt liegt sie bei 1:3,4183946 (es hat sich wirklich einmal jemand die Mühe gemacht, das auszurechnen). Wenn sich nun eine unendliche Anzahl Affen an einer Tastatur austobt, muss man diese Minimalchance mit unendlich multiplizieren, und dann wird die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Affen es je schafft, das Werk Shakespeares herunterzutippen, auf einmal tatsächlich reell.[...] Will man die Wahrscheinlichkeit von etwas einschätzen, muss man folglich die genaue Anzahl der Affen kennen und mit einberechnen.1

Dass die Rationalität der Welt sinnvoll nicht aus der Irrationalität erklärt werden kann, ist evident.2

 Das von Ruben Mersch dargestellte Gedankenexperiment gehört zu einem der interessanteren dieser Gattung. Dabei ist es geradezu eklatant, wie der moderne Mensch nur völlig technisch an die Fragestellung herangehen kann. Klar vor seinen Augen sieht er die Wahrscheinlichkeit des Ausgangssachverhalts, sodass er zweifelsohne zu dem Ergebnis kommen muss, es sei nicht möglich. Was ihm dabei entgeht, ist freilich kein unbedeutender Fakt: Die geringe Wahrscheinlichkeit gilt eben nicht nur für "Hamlet", sondern für jede x-beliebige Aneinanderreihung von Zeichen, insofern es sich um dieselbe Anzahl derselben handelt. In anderen Worten: Ob ich nun "Hamlet" schreibe oder "Ltmeah" macht aus der Sicht des Zufalls nicht den geringsten Unterschied. Was bringt uns dann also dazu, solche Gedankenexperimente in Erwägung zu ziehen? Der Zufall kann es, wie soeben dargestellt, nicht sein.
So muss man, auch wenn es dem ein oder anderen missfällt, die teleologische Ebene miteinbeziehen. Erst ich als Mensch, damit als Beherrscher einer syntaktischen Sprache, gebe beispielsweise den Worten "To be or not to be" eine Bedeutung. Nicht die Unwahrscheinlichkeit der Aneinanderreihung lässt mich Shakespeare als Genie loben. Es ist der Sinn dieser Worte, der sich, so leid mir das auch tut, nicht der rein faktischen Betrachtung erschließt. Eine niedrigere Ebene erschließt mir vielleicht eine gewisse Tatsache, jedoch handelt es sich bei dieser Beobachtung keineswegs um das konstituierende Moment. Schließlich preisen wir Shakespeare nicht dafür, dass es ihm zufälligerweise gelungen ist, hunderte Zeichen in einer gewissen Reihenfolge zu Papier zu bringen, sondern für seine Lyrik und Einsicht in die menschliche Psyche.



1 Ruben Mersch, Warum wir alle Idioten sind S.120f
2 Joseph Ratzinger, Auf Christus schauen S.30