Posts mit dem Label Star Wars werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Star Wars werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 14. November 2015

Kurzkritik: William Shakespeare's Star Wars - Ian Doescher

William Shakespeare's Star Wars ist eine dramatische Bearbeitung der Star Wars - Filme von Ian Doescher. Die Prämisse ist dabei sehr einfach: Was wäre wenn, William Shakespeare diese Filme als Dramen geschrieben hätte, wobei die Charaktere und die Handlung selbst unberührt bleiben?

Nachdem ich erstmalig über diese Bücher gestolpert bin (damals waren es nur die Bücher der Original-Trilogie), dachte ich, es handle sich um pseudointellektuelle Bücher, die auch den letzten Saft aus der Marke ziehen wollen. Bereits eine kurze Lektüre der Leseprobe sollte mich eines Besseren belehren. Wenige Zeilen verrieten mir, dass Ian Doescher nicht nur ein Star Wars-Fan ist, sondern vielmehr noch mit dem Barden bestens vertraut ist. So passt nicht nur das Versmaß, es macht genauso großen Spaß, die etlichen Anspielungen auf verschiedene Werke des großen englischen Schriftstellers zu finden. Ich war schon versucht, die entsprechenden Fundstellen zu notieren, muss aber zugeben, dass ich dazu selbst noch die restlichen Werke Shakespeares lesen müsste. Dabei sind diese mal offensichtlicher wie "Alas, poor Stormtrooper" (Hamlet; V,1), andere, wie die an "Romeo und Julia" angepassten Reimschemata zwischen Han und Leia, sind subtiler.

Wer also für beide Materialien ein gewisses Faible besitzt, wird nicht enttäuscht, kann dabei auch beobachten, wie der Autor an seiner Aufgabe wächst. Mehr und mehr Spielereien traut er sich zu, sodass stylistisch gesehen die Episoden I-III ein wenig interessanter und verspielter sind, was sie auf dieser Ebene überlegen macht. So rettet er nicht nur einige kleinere Kontinuitätsfehler zwischen den beiden Trilogien - und das durch kurze Gespräche -, sondern verwandelt auch beispielsweise die "Opern"-Szene aus "Die Rache der Sith", im Film bereits eine grandiose Szene, in ein Feuerwerk an Brillanz.

Faszinierenderweise hatte ich kurz vor der Lektüre eine Feststellung gemacht. Während Dramen, gerade klassische, stark an der 5-Akt-Struktur, ob streng oder nicht, orientiert sind, halten sich moderne Werke vielmehr an die 3-Akt-Struktur. So wirkte das Finale früher als Auflösung einer Reihe von Verwicklungen, die im Zuge der vorangegangenen Handlung entstanden sind, und hält sich im Allgemeinen eher kurz. Heutzutage ist das Finale selbst elementarer Bestandteil des Werkes und nimmt einen viel größeren Raum ein und muss über sich selbst Schauwerte liefern. Im Kontrast zwischen Drama und Film fiel mir das besonders auf und es freute mich, in meiner Beobachtung bestätigt zu werden.

Damit verbleiben wir und ich freue mich jetzt nicht nur mehr auf  "Das Erwachen der Macht" selbst, sondern auch die Bearbeitung durch Ian Doescher, der bewiesen hat, dass er auch aus schwächeren Filmen durch Verwendung manch eines Tricks gute Dramen zaubern kann.

Donnerstag, 24. September 2015

Star Wars on Trial

Wenn man älter wird, muss man mit Bedauern feststellen, dass vieles von dem, was in Jugendzeiten noch als brillante und präzise formulierte Werk wahrgenommen wurde, eigentlich größtenteils banale Aussagen ohne Tiefgang enthält. Dabei möchte ich nicht den Eindruck erwecken wollen, ihn fehle völlig die Qualität, aber die Perspektive verändert sich.
So auch mit "Star Wars on Trial".

Die Idee ist dabei eine gute, Science-Fiction-Autoren diskutieren darüber, ob der Einfluss der Star Wars - Reihe als positiv oder negativ für das Genre aufgenommen werden muss. Lange Zeit galt dieses Buch für mich als Referenz zum Thema Fantasy und Science Fiction, war sogar das Non plus ultra. Mittlerweile missfallen mir die naive Sicht von Geschichte1 , wie sie eigentlich alle Autoren aufweisen, und Religion, wobei diese eher Unwissen aufzeigt. Wenige Argumente weisen Kohärenz auf.

 Trotzdem möchte ich nicht verhehlen, dass mir Matthew Stover, Autor der Verteidigung, immer noch gefällt, einerseits da er die ganze Angelegenheit mit Humor nimmt und andererseits eine sympathische Argumentation2 aufbaut.

Den gesamten Inhalt zu kritisieren würde ein weiteres Durcharbeiten erfordern und lohnt der Sache eigentlich nicht. Ich musste mich schon davon abhalten, die Seiten mit Notizen über Notizen zu füllen, denn das hebe ich mir dann doch für die Großen Bücher auf. Allerdings ist ein Aspekt an Heuchelei überhaupt nicht zu überbieten. Einer der größten Vorwürfe gegenüber Star Wars ist, dass antidemokratische und elitäre Politik hier unterstützt wird, selbstverständlich durch die Jedi symbolisiert, deren Kraft auf Vererbung basiert. Ungern möchte ich auf diesen Punkt näher eingehen, man soll ihn nur im Kopf behalten. Jetzt komme ich darauf zurück, dass dieses Werk meine Sicht von Science Fiction für lange Zeit maßgeblich beeinflusst hat (dankbar bin ich zum Beispiel dafür, Isaac Asimov über dieses Buch gefunden zu haben). Das lässt aber offen: Wie unterscheidet David Brin, Autor der Anklage, Science Fiction und Fantasy?

Hier stürzt alles zusammen. Im Grunde wird alles für das Genre Science Fiction beschlagnahmt, was intelligent ist - oder als solches erkannt wird, sodass auch Tolkien sich nicht den verfehlten Angriffen von David Brin entziehen kann. Anders gesagt und zugespitzt: Science Fiction ist gute, Fantasy ist schlechte Literatur. Natürlich ist David Brin der Richter in diesen Sachen. Ich komme beim besten Willen nicht darum herum, darin etwas leicht elitäres zu sehen. Und Brin scheint auch kein Problem zu haben, diese Meinung öffentlich zu präsentieren.


1 Es handelt sich um das typische Klischee des dunklen Mittelalters und der alles verbessernden Renaissance und Aufklärung.
2 Völlig unzureichend verkürzt beharrt er darauf, dass es eben nicht die eine Möglichkeit gibt, diese Filme (und das Franchise) zu sehen, sondern mehrere. So ist die "Dunkle Seite", wie er die Anklage nennt, darauf angewiesen, den Leser von einer bestimmten Sichtweise zu überzeugen, während Stover lediglich auf die Anwesenheit von anderen Lesarten hinweisen muss.